Sah ein Knab ein Röslein stehn | Text und Noten

Ein Morgenwind streift sanft durch die Gräser der Heide, während die ersten Sonnenstrahlen die Landschaft in ein warmes, goldenes Licht tauchen. In dieser friedvollen Szenerie entfaltet sich ein einfaches, doch tief bewegendes Schauspiel der Natur und der heranwachsenden Liebe. Ein kleiner Junge, voller Neugier und Tatendrang, entdeckt ein Röslein – zart und von morgendlicher Frische, wie ein Versprechen des Tages.
In der Stille der frühen Stunde, in der die Welt noch zu schlafen scheint, wird die Begegnung zwischen Knabe und Röslein zu einem zeitlosen Moment. Die Schönheit des Augenblicks, das zarte Blühen der Liebe, die ungestüme Jugend – all das vereint sich in diesem kurzen Lied zu einer Melodie, die Herzen rührt und Erinnerungen weckt. Es ist ein Lied, das durch seine schlichte Erzählung voll von Gefühl und Naturverbundenheit besticht, und uns daran erinnert, wie kostbar und flüchtig zugleich die schönsten Momente des Lebens sind.
historischer Hintergrund
„Sah ein Knab ein Röslein stehn“ ist ein bekanntes Volkslied, dessen Ursprung auf das Gedicht „Heidenröslein“ von Johann Wolfgang von Goethe zurückgeht. Der Text, verfasst im Jahr 1771, ist ein Paradebeispiel für Goethes Fähigkeit, komplexe Gefühle in schlichte, aber eindringliche Bilder zu fassen. Die Melodie, die das Gedicht zu einem Lied erhebt, stammt von Heinrich Werner, einem Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts, der mit seinen Kompositionen das Volksliedgut bereicherte.
Als Volkslied zeichnet sich „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ durch seine eingängige Melodie und einfache Struktur aus, die es leicht memorierbar und weit verbreitet machen. In der Geschichte der deutschsprachigen Musik hat das Lied zahlreiche Varianten und Interpretationen erfahren, wobei es oft in unterschiedlichen musikalischen Kontexten neu belebt wurde. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert erlangte es große Beliebtheit und wurde in zahlreichen Liederbüchern veröffentlicht.
Die Verbreitung des Liedes reicht weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, was seine universelle Anziehungskraft unterstreicht. Es verbindet Poesie und Musik auf eine Weise, die sowohl nostalgisch als auch zeitlos wirkt, und bleibt ein fester Bestandteil des kulturellen Erbes im deutschsprachigen Raum.
Noten und Liedtext
- Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
war so jung und morgenschön,
lief er schnell, es nah zu sehn,
sah’s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden. - Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden.
Röslein sprach: Ich steche dich,
dass du ewig denkst an mich,
und ich will’s nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden. - Und der wilde Knabe brach
’s Röslein auf der Heiden.
Röslein wehrte sich und stach,
half ihm doch kein Weh und Ach,
musst es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Text: Gedicht „Heidenröslein“ von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Melodie: Heinrich Werner (1800-1833)
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Textinterpretation
In der zarten Melodie von „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ entfaltet sich ein Bild von Jugend und Entdeckung, das über die Jahrhunderte hinweg seine Strahlkraft bewahrt hat. Der Knabe, der das Röslein auf der Heiden erblickt, verkörpert die unschuldige Neugier und die ungestüme Sehnsucht der ersten Liebe. Diese Begegnung mit der Natur symbolisiert die flüchtigen Momente im Leben, in denen wir von der Schönheit und Vergänglichkeit des Augenblicks ergriffen werden. Der Drang, das Röslein schnell zu erreichen, reflektiert den menschlichen Impuls, das Schöne zu bewahren und festzuhalten.
Heute könnte das Lied als Metapher für die Suche nach Liebe und Erfüllung in einer hektischen Welt stehen. Inmitten von Alltagshektik und Schnelllebigkeit erinnert uns das Röslein daran, innezuhalten und die kleinen Wunder um uns wahrzunehmen. Die Leser fühlen sich vielleicht an ihre eigenen Erfahrungen mit der ersten Liebe erinnert, an die Momente des Staunens und der Hoffnung. Das Lied lädt ein, sich bewusst mit der Natur und den eigenen Gefühlen zu verbinden, im ständigen Wandel unserer modernen Zeit.
Im Spiel von Anziehung und Schmerz offenbart sich die Fragilität der Schönheit; der ungestüme Drang, das Vergängliche zu besitzen, führt oft zu ungewolltem Leid. Achte die Blüten, die du brichst.






