Zu Bethlehem geboren | Text und Noten

In der stillen Dunkelheit des Advents, wenn der Schnee leise auf die Dächer fällt, erwacht in vielen Herzen eine zarte Melodie. Die sanften Töne von „Zu Bethlehem geboren“ schweben durch die Luft und füllen die Kirchenräume mit einer warmen, beruhigenden Präsenz. Dieses Lied, wie ein vertrauter Freund, erinnert uns daran, dass in einem einfachen Stall ein Wunder geschah.
Die ersten Verse entfalten sich wie ein zartes Versprechen: Ein Kindelein ist uns geboren, und du fühlst, wie dein Herz in seinem schlichten, aber tiefen Glauben schwingt. Die Worte umarmen dich, lassen dich innehalten und für einen Moment die Hektik der Welt vergessen. Es ist, als ob du selbst dort wärst, unter dem funkelnden Stern von Bethlehem, das Wunder bestaunend.
Jedes Jahr, wenn diese Melodie erklingt, entfaltet sich eine ganz besondere Magie. Sie erinnert uns an die Einfachheit und Schönheit der Weihnachtsbotschaft und lädt uns ein, Teil dieser ewigen Geschichte zu sein.
historischer Hintergrund
„Zu Bethlehem geboren“ ist ein ergreifendes Weihnachtslied, dessen Text von Friedrich Spee stammt, einem bedeutenden deutschen Jesuiten und Lyriker des frühen 17. Jahrhunderts. Spee, bekannt für seine tiefgründige und zugleich zugängliche Dichtkunst, verfasste den Text in einer Zeit, die von religiöser und gesellschaftlicher Umwälzung geprägt war. Die Melodie, die das Lied begleitet, ist hingegen anonym geblieben, doch sie entstand ebenfalls im 17. Jahrhundert und vermittelt eine schlichte, aber eindringliche musikalische Atmosphäre.
In der Kategorie der Weihnachts- und Adventslieder nimmt „Zu Bethlehem geboren“ einen besonderen Platz ein. Es verbindet kunstvoll die freudige Erwartung der Geburt Christi mit einer innigen, persönlichen Andacht. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich das Lied in verschiedenen Regionen im deutschen Sprachraum verbreitet und ist in zahlreichen Gesangbüchern verzeichnet. Besonders bemerkenswert ist die Art und Weise, wie es immer wieder neu interpretiert und in unterschiedlichen musikalischen Arrangements dargeboten wird, was seine zeitlose Relevanz unterstreicht.
Noten und Liedtext
- Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein,
das hab ich auserkoren, sein eigen will ich sein.
Eia, eia, sein eigen will ich sein. - In seine Lieb versenken will ich mich ganz hinab;
mein Herz will ich ihm schenken und alles, was ich hab.
Eia, eia, und alles, was ich hab. - O Kindelein, von Herzen will ich dich lieben sehr
in Freuden und in Schmerzen, je länger mehr und mehr.
Eia, eia, je länger mehr und mehr.
Text: Friedrich Spee (1591-1635)
Melodie: unbekannt (17. Jahrhundert)
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Textinterpretation
In den sanften Zeilen von „Zu Bethlehem geboren“ schließt sich der Kreis zwischen dem Ursprünglichen und dem Ewigen. Hier, wo das Wunder des Lebens in einem Kindelein Gestalt annimmt, verspüren wir ein tiefes Verlangen nach Zugehörigkeit. Der Ruf „sein eigen will ich sein“ ist mehr als nur Worte; es ist ein Sehnen nach einer Kraft, die uns über uns selbst hinaushebt. Diese Melodie umarmt uns mit ihrer besinnlichen Anmut, ein stiller Begleiter durch die adventlichen Nächte.
Das Lied lädt uns ein, innezuhalten und in uns zu gehen. Inmitten der Hektik des modernen Lebens, in dem oft das Wesentliche aus den Augen verloren wird, erinnert es uns daran, was wirklich zählt: die stille Verbindung zu etwas Größerem. Dieses Gefühl der Geborgenheit und des Vertrauens mag uns heute daran erinnern, wie wichtig es ist, den inneren Frieden zu suchen und in der Einfachheit das Göttliche zu erkennen. Es ist ein Ort, an dem wir, trotz aller Widrigkeiten, immer wieder Heimat finden können.
Während die Melodie verhallt, bleibt die Botschaft bestehen: Ein Kind, das uns zur Umkehr und zur Selbstbesinnung ruft. Was bedeutet es, „sein eigen“ zu sein in einer Welt, die uns oft auseinanderreißt? Vielleicht ist es die Einladung, uns selbst treu zu bleiben und die leisen Töne des Herzens nicht zu überhören. So wird das alte Krippenlied zu einem zeitlosen Begleiter, das uns sanft an die Hand nimmt und uns den Weg zu uns selbst weist.
In der Geburt des Kindes zu Bethlehem offenbart sich die tiefste Hingabe des Herzens; eine Einladung zur bedingungslosen Liebe, die selbst in Schmerz und Freude unser höchstes Gut ist.







