Abschied der Zugvögel | Text und Noten

Ein leiser Windhauch streicht durch die goldenen Blätter, und du spürst den sanften Kuss des Herbstes auf deiner Haut. Es ist jener Moment, wenn die Natur das letzte Fest der Farben feiert, bevor der Winter seinen Schleier über die Welt legt. Ein vertrauter Vogelruf durchbricht die Stille, und du blickst in den Himmel, wo die Zugvögel in majestätischen Formationen gen Süden ziehen. Ihre Silhouetten zeichnen sich wie zarte Pinselstriche gegen das verblassende Blau ab, und du fühlst den bittersüßen Abschied, den sie singen.
Das Lied „Abschied der Zugvögel“ fängt diesen Augenblick ein, wenn plötzlich die Schönheit des Sommers zu verblassen beginnt und eine leise Melancholie die Welt umhüllt. Es ist, als ob die Melodie selbst die bunten Blätter streichelt und die herbstliche Melancholie in deinen Gedanken widerhallen lässt. Die Worte tragen die Erinnerung an warme Tage und die Sehnsucht nach fernen Ländern, während die Natur sich auf den stillen Schlaf vorbereitet. Du lauschst und fühlst, wie der Herbst mit all seiner Poesie in dein Herz zieht.
historischer Hintergrund
Inmitten der melancholischen Stimmung des Herbstes erhebt sich das Lied „Abschied der Zugvögel“ als eindrucksvolles Zeugnis der Verbindung von Natur und Kultur. Der Text stammt aus der Feder von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, einem bedeutenden deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts, dessen Werke bis heute nachhallen. Hoffmann von Fallersleben, bekannt für seine scharfsinnigen Beobachtungen und gefühlvollen Schilderungen, hat mit diesem Lied ein eindrucksvolles Bild des Abschieds und der Vergänglichkeit geschaffen.
Die Melodie, die das Gedicht begleitet, entstammt einer schlesischen Volksweise, wodurch das Lied tief in der Volkskultur verankert ist. Diese Verbindung von poetischem Text und volkstümlicher Melodie macht es zu einem klassischen Herbstlied, das die Stimmung der Jahreszeit eindrucksvoll einfängt. Die Melancholie des Abschieds der Zugvögel wird musikalisch unterstrichen und verleiht dem Lied eine zeitlose Qualität.
Über die Jahre hinweg hat „Abschied der Zugvögel“ zahlreiche Interpretationen und Varianten erfahren, was seine anhaltende Beliebtheit und Bedeutung unterstreicht. Es wird nicht nur in Schulen und Chören gesungen, sondern auch in privaten Kreisen gepflegt, wodurch es sich als kulturelles Erbe behauptet. Die universelle Thematik von Abschied und Neuanfang findet in jeder Darbietung neue Resonanz, was das Lied zu einem lebendigen Bestandteil der musikalischen Tradition macht.
Noten und Liedtext
- Wie war so schön doch Wald und Feld!
Wie traurig ist an jetzt die Welt!
Hin ist die schöne Sommerzeit
und nach der Freude kam das Leid. - Wir wußten nichts von Ungemach.
Wir saßen unterm Laubesdach,
vergnügt und froh beim Sonnenschein,
und sangen in die Welt hinein. - Wir armen Vöglein trauern sehr:
wir haben keine Heimat mehr.
Wir müssen jetzt von hinnen flieh’n
und in die weite Fremde ziehn.
Text: Hoffmann von Fallersleben (1798–1874)
Melodie: schlesische Volksweise
Video-Tutorial & Downloads
Textinterpretation
Wie ein sanfter Hauch der Melancholie durchzieht der Abschied der Zugvögel die Lüfte, während der Sommer in die Ferne zieht und die Welt in einem traurig-schönen Herbstlicht erstrahlt. Der Wald und das Feld, einst erfüllt von Leben und Farben, senken nun ihre Häupter in stillem Abschied. Die Natur, in ihrem zyklischen Wandel gefangen, erinnert uns an die Vergänglichkeit und lädt uns ein, diesen Moment des Loslassens zu spüren – eine stille Einladung zur Reflexion über die Zeit und ihre unaufhaltsame Vergänglichkeit.
In der stillen Choreographie der ziehenden Vögel finden wir unser eigenes Sehnen nach Beständigkeit, während die Jahreszeiten uns zeigen, dass Veränderung die einzige Konstante ist. Diese Melodie des Abschieds hallt in unserem Inneren nach, erinnert uns an vergangene Zeiten und an das, was wir loslassen müssen, um neuen Anfängen Raum zu geben. Die Traurigkeit, die das Lied durchdringt, ist zugleich tröstlich, denn sie verbindet uns mit der Natur und mit uns selbst in einer universellen Erfahrung des Werdens und Vergehens.
Der Abschied von Heimat und Freude lehrt uns, dass Veränderung und Verlust Teil des Lebens sind; in der Trauer finden wir die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und die Hoffnung auf neue Anfänge.






