Wenn die Schwalben heimwärts ziehn | Text und Noten

Ein sanfter Wind streicht über das Land und trägt den Duft des Herbstes mit sich, während die Natur sich zum Abschied rüstet. Die Schwalben, die den Sommer über mit ihren eleganten Flügen die Lüfte durchzogen, sammeln sich nun zu ihrer großen Reise gen Süden. Ihr fortziehender Schwarm malt melancholische Silhouetten an den Abendhimmel, ein lebendiges Gemälde des Abschieds und der Hoffnung auf Wiederkehr.
Wenn die Rosen ihre letzten Blüten verlieren und die Nachtigall mit ihrem klagenden Gesang verstummt, schleicht sich eine stille Melancholie in unsere Herzen. Erinnerungen an laue Sommerabende und das Versprechen eines neuen Frühlings flüstern uns leise zu. Das Lied „Wenn die Schwalben heimwärts ziehn“ fängt diese Momente ein und lässt sie in dir nachhallen, wie das zarte Echo eines vergangenen Traums. Mit jeder Zeile erweckt es eine Sehnsucht, die dich tief im Inneren berührt, und verwebt die Vergänglichkeit der Jahreszeiten mit den dauerhaften Fäden deiner Erinnerungen.
historischer Hintergrund
„Wenn die Schwalben heimwärts ziehn“ ist ein eindrucksvolles Herbstlied, das durch seine melancholische Schönheit besticht. Der Text stammt aus der Feder von Carl Herloßsohn, einem vielseitigen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, während die Melodie von Franz Abt komponiert wurde, der als Meister der romantischen Liedkunst gilt. Gemeinsam schufen sie ein Werk, das die Vergänglichkeit und den Wechsel der Jahreszeiten poetisch einfängt.
Als klassisches Herbstlied thematisiert es den Abschied und die Rückkehr der Schwalben, die als Symbol für den Wandel der Natur stehen. Diese Thematik trifft den Nerv der Zeit und spiegelt die Sehnsucht nach Beständigkeit wider, die in Zeiten des Wandels besonders stark verankert ist. Die Melodie von Abt untermalt die sanfte Melancholie des Textes und verleiht dem Lied einen unverwechselbaren Charakter.
In seiner Geschichte hat das Lied zahlreiche Variationen und Interpretationen erfahren, die seine Beliebtheit unterstreichen. Es wurde vielfach in Liederbüchern abgedruckt und fand Eingang in die Repertoires von Chören und Solisten. Die zeitlose Thematik und die gelungene Symbiose von Text und Musik machen „Wenn die Schwalben heimwärts ziehn“ zu einem immerwährenden Klassiker der deutschen Liedkunst.
Noten und Liedtext
- Wenn die Schwalben heimwärts ziehn,
wenn die Rosen nicht mehr blühn,
wenn der Nachtigall Gesang
mit der Nachtigall verklang,
fragt das Herz in bangem Schmerz,
ob ich dich auch wiederseh‘?
Scheiden, ach scheiden, scheiden tut weh. - Wenn die Schwäne südlich ziehn,
dorthin, wo Zitronen blühn,
wenn das Abendrot versinkt,
durch die grünen Wälder blinkt,
fragt das Herz in bangem Schmerz,
ob ich dich auch wiederseh?
Scheiden, ach Scheiden, scheiden tut weh. - Armes Herz, was klagest du?
O auch du gehst einst zur Ruh.
Was auf Erden muß vergehn,
gibt es wohl ein Wiedersehn?
Fragt das Herz in bangem Schmerz,
Glaub‘ daß ich dich wiederseh,
Tut auch heut‘ das Scheiden so weh.
Text: Carl Herloßsohn (1804-1849)
Melodie: Franz Abt (1819-1885)
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Textinterpretation
Wenn die Schwalben heimwärts ziehn und die Rosen nicht mehr blühn, erzählt uns die Natur von Abschied und Wandel. Der Herbst malt mit sanften Farben und kühlem Atem ein Bild des Übergangs. Die Vögel, als Boten der Veränderung, erinnern uns daran, dass auch wir Reisende sind auf dem Pfad des Lebens. Ihre Reise ist ein stilles Echo der Vergänglichkeit, das uns zum Innehalten zwingt. Die Nachtigall, deren Gesang nun verstummt, flüstert von vergangenen Tagen und dem unaufhaltsamen Lauf der Zeit.
In diesen Zeilen spiegelt sich das menschliche Herz wider, das sich nach dem Vertrauten sehnt, während es zugleich das Unbekannte umarmt. Der herbstliche Abschied rührt an unserer Seele und weckt eine melancholische Sehnsucht. Doch in der Melancholie liegt auch die Chance zur Reflexion. So wie die Natur sich erneuert, können wir im Rückzug und der Ruhe des Herbstes neue Kraft schöpfen. Das Lied lädt uns ein, den Zyklus der Jahreszeiten als Metapher für unseren eigenen Lebensweg zu betrachten.
Die Bedeutung des Liedes im heutigen Kontext könnte uns daran erinnern, dass jeder Abschied auch ein Neubeginn ist. Die Leser fühlen vielleicht eine sanfte Melancholie, gepaart mit einer tiefen Verbundenheit zur Natur und den eigenen Lebenszyklen. Im steten Wechsel der Jahreszeiten finden wir Trost und Inspiration, geleitet von den Schwalben, die uns lehren, dass jede Reise, sei sie noch so vertraut oder neu, Teil eines größeren Ganzen ist.
Wenn die Zeit des Abschieds naht, lehrt uns die Sehnsucht, dass die Liebe in jedem Verlust weiterlebt, und das Herz, in seinem Schmerz, nach dem Wiedersehen strebt.






