Geh aus, mein Herz, und suche Freud | Text und Noten

Ein sanfter Windhauch kitzelt deine Wangen, während die wärmende Sonne die Welt in goldenes Licht taucht. Der Sommer entfaltet seine Pracht, und du spürst, wie dein Herz von einer leisen, unbezwingbaren Freude erfasst wird. In diesem Moment, in dem die Natur in ihrem schönsten Kleid erstrahlt, erwacht in dir die Sehnsucht, hinauszugehen und die Wunder der Schöpfung zu entdecken.
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, flüstert eine leise Melodie in dein Ohr, als ob sie aus einer fernen Erinnerung zu dir dringt. Die sanften Klänge tragen dich fort, hinein in blühende Gärten und über saftig grüne Wiesen, wo der Duft von Blumen die Luft erfüllt. Es ist ein Lied, das dir die Schönheit der Welt zeigt, ein Lied, das die Verbindung von Glaube und Natur zelebriert. Jeder Vers ist wie ein sanfter Sommerregen, der die Seele erfrischt und dich einlädt, die kleinen Wunder des Lebens mit offenen Augen und einem dankbaren Herzen zu betrachten.
historischer Hintergrund
In den sanften Zeilen des Liedes „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ offenbart sich das poetische Genie Paul Gerhardts, eines der bedeutendsten deutschsprachigen Liederdichter des 17. Jahrhunderts. Der Text, entstanden in einer Zeit, die von Krieg und Not geprägt war, lädt dennoch zu einer Betrachtung der Schönheit der Schöpfung ein. Der Kontrast zwischen den äußeren Umständen und der inneren Hoffnung verleiht dem Lied eine zeitlose Relevanz.
Die Melodie, die das Gedicht in Harmonie kleidet, stammt von August Harder, einem Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts. Sie verleiht den Worten Gerhardts eine musikalische Heimat, die es zu einem der bekanntesten deutschen Volkslieder erhebt. Harders Komposition ergänzt den Text durch ihre schlichte, aber eindringliche Melodik, wodurch das Lied leicht zugänglich und in der Volksseele tief verwurzelt ist.
Besonders bemerkenswert ist die weite Verbreitung und die Anpassungsfähigkeit des Liedes. Es existieren zahlreiche Varianten und es wird sowohl in kirchlichen als auch weltlichen Kontexten gesungen. Die Fähigkeit, über Jahrhunderte hinweg Menschen zu berühren und Trost zu spenden, zeugt von seiner universellen Anziehungskraft und dem tiefen menschlichen Bedürfnis nach Freude und Hoffnung.
Noten und Liedtext
- Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben.
Schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
|: sich ausgeschmücket haben. :| - Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
|: als Salomonis Seide. :| - Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder.
Die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
|: Berg, Hügel, Tal und Felder. :|
Text: Paul Gerhardt (1607–1676)
Melodie: August Harder (1775-1813)
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Textinterpretation
Das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ führt dich in die sanfte Umarmung des Sommers, wo die Gärten in prächtiger Blüte stehen. Es lädt dich ein, die Geschenke der Natur mit offenen Augen und einem dankbaren Herzen zu betrachten. Diese Reise in die Natur ist auch eine Reise zu dir selbst, eine Suche nach Freude und Frieden in der Einfachheit des Seins. Lass dich von der Schönheit der Schöpfung verzaubern und finde in ihr einen Spiegel deiner inneren Welt.
Die Natur, die in diesem Lied so lebhaft beschrieben wird, erinnert uns an die Vergänglichkeit und gleichzeitig an die Beständigkeit des Lebens. In einer Welt, die oft von Hektik und Unruhe dominiert wird, hält sie uns an, innezuhalten und die kleinen Freuden zu schätzen. Die Blumen, die im Sommer ihre Farbenpracht entfalten, sind wie Erinnerungen an die Kostbarkeit eines jeden Augenblicks. Sie flüstern leise von der Hoffnung und dem Glauben an das Gute.
Für den modernen Leser mag dieses Lied eine Einladung sein, sich vom Alltag zu lösen und die Seele in der Natur baumeln zu lassen. Es ruft dich auf, die Augen zu öffnen für die Wunder, die uns umgeben, und den Glauben an eine höhere Ordnung zu erneuern. In der Betrachtung der Welt und ihrer Wunder erkennst du vielleicht auch deine eigene Rolle in diesem großen Spiel des Lebens und findest Trost und Freude in der Verbindung mit allem, was lebt.
In der Sommerpracht entfaltet sich das göttliche Schaffen; das Herz wird erweckt, um Freude und Schönheit in der Natur zu suchen und im Einklang mit dem Leben zu singen.







