Wenn die dunkle Zeit beginnt | Text und Noten

Kinderbuch-Illustration: Kinder mit bunten Laternen ziehen durch eine abendliche Stadt, der Mond leuchtet freundlich am Himmel, im Hintergrund teilt Sankt Martin auf dem Pferd seinen Mantel mit einem Bettler. Häuser sind festlich erleuchtet.

Es ist jene Zeit im Jahr, in der die Dunkelheit sanft über das Land gleitet und die Tage in einem zarten Flüstern enden. Du spürst die Kälte, die sich wie ein alter Freund umschlingt, während die letzten goldenen Blätter ihren Tanz vollenden. Mit jedem Schritt knirscht der Boden unter deinen Füßen, als würde er die Geheimnisse einer vergangenen Wärme erzählen.

„Wenn die dunkle Zeit beginnt“, flüstert der Wind, und du fühlst die Melancholie, die sich wie ein Schleier über die Landschaft legt. Doch in dieser Dunkelheit liegt eine besondere Magie, ein Übergang, der Raum für Besinnung schafft. Die Sonne, müde und doch voller Anmut, schenkt dem Horizont ihr letztes Lächeln, bevor der Mond seine silberne Wache aufnimmt.

Dieses Lied führt dich an einen Ort der Ruhe, wo die Stille spricht und die Töne wie warme Umarmungen wirken. Erinnerungen an vergangene Winter erwachen, und du erkennst, dass jede Dunkelheit auch ein zartes Versprechen von Licht in sich trägt.

historischer Hintergrund

„Wenn die dunkle Zeit beginnt“ ist ein Winterlied, das seine Wurzeln in der mündlichen Überlieferung hat. Der Ursprung des Textes und der Melodie ist nicht genau bekannt, doch es wird angenommen, dass es aus der Tradition der mitteleuropäischen Volkslieder stammt. Diese Lieder wurden über Generationen hinweg von Mund zu Mund weitergegeben, wodurch sie sich stetig wandelten und an die jeweilige Zeit anpassten.

Als Winterlied thematisiert es die kurzen Tage und langen Nächte der kalten Jahreszeit, wobei es oft eine melancholische, aber auch hoffnungsvolle Stimmung vermittelt. Besonders in ländlichen Regionen wurde das Lied in geselligen Runden gesungen und begleitete die Menschen durch die dunklen Monate. Es diente nicht nur der Unterhaltung, sondern auch dem Zusammenhalt in der Gemeinschaft.

Interessanterweise existieren zahlreiche Varianten dieses Liedes, die sich in Melodie und Text leicht unterscheiden. Diese Vielfalt ist ein Zeugnis seiner weiten Verbreitung und der Anpassungen, die es im Laufe der Zeit erfahren hat. So bleibt „Wenn die dunkle Zeit beginnt“ ein lebendiges Beispiel für die Tradition des mündlich überlieferten Liedguts, das Generationen überdauert.

Noten und Liedtext

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  1. Wenn die dunkle Zeit beginnt,
    wenn des Jahres Kraft verrinnt,
    wenn die Sonne müde lacht
    und der Mond die Nacht bewacht,
    dann kommt Martins großes Fest,
    das die Kinder singen lässt:
    Du Sankt Martin, heil’ger Mann,
    zünde unsre Lichter an
    tief im Herzen; nicht nur Kerzen
    sollen bringen helles Licht,
    tief im Herzen; nicht nur Kerzen
    sollen bringen helles Licht!
  2. Wenn der Herold zieht voran
    und die Kinder folgen dann
    mit Laternen und Gesang
    auf dem weiten, frohen Gang
    durch die Gassen unsrer Stadt,
    sie ein Kleid aus Lichtern hat.
    Du Sankt Martin …
  3. Wenn Sankt Martin zu uns eilt
    und den Mantel freudig teilt
    mit dem Bettler vor dem Tor,
    ja, da stellen wir uns vor,
    auch dem andern gut zu sein,
    wie es fiel Sankt Martin ein.
    Du Sankt Martin …

Text und Melodie: mündlich überliefert

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Textinterpretation

Wenn die dunkle Zeit beginnt, breitet sich eine Decke der Stille über das Land und lädt uns ein, in uns zu gehen. Die Zeilen des Liedes malen ein Bild des Übergangs, wo der Herbst seine letzten goldenen Blätter fallen lässt und der Winter seinen kalten Atem spürbar macht. Es ist eine Zeit der Reflexion, in der die Natur zur Ruhe kommt und wir Menschen den inneren Kompass neu justieren können, während das Licht des Tages müder, doch nicht minder kostbar wird.

In dieser dunklen Jahreszeit bietet das Lied Trost und Hoffnung, indem es die Schönheit im Verborgenen enthüllt. Die leise Wachsamkeit des Mondes in der Nacht erinnert daran, dass selbst in der tiefsten Dunkelheit ein Licht leuchtet, das uns den Weg weist. So wird die Dunkelheit nicht nur zum Symbol für Kälte und Vergänglichkeit, sondern auch für das Potenzial eines Neubeginns und die sanfte Einladung, innezuhalten und die eigenen Gedanken und Gefühle zu ergründen.

Für den Leser kann dieses Winterlied eine wohlige Melancholie wecken, die uns mit der Vergänglichkeit der Jahreszeiten versöhnt. Es ermutigt uns, die Dunkelheit zu akzeptieren und das Licht in uns selbst zu kultivieren. In einer schnelllebigen Welt schenkt es uns eine Pause zum Atmen, eine Chance, die inneren Batterien aufzuladen und die Schönheit des Augenblicks zu spüren, bevor der Frühling uns wieder mit seiner Lebenskraft erfüllt.

Hörbeispiele

https://youtu.be/Zg3Y3SRdlGs?list=RDZg3Y3SRdlGs

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