Näher rückt die trübe Zeit | Text und Noten

Melancholische Kinderbuch-Illustration: Eine Linde verliert im Wind ihr Laub, Blätter tanzen über einen kleinen Weg, ein Fink sitzt traurig auf einem Ast, am Boden liegen verwelkte Blumen, ein letzter Schmetterling fliegt am See, dunkle Wolken verdecken die Sterne – passend zum Lied „Näher rückt die trübe Zeit“.

Der Wind flüstert leise durch die kahlen Äste, während die letzten Blätter ihren Tanz in Richtung Erde beginnen. In dieser stillen Melancholie des Herbstes, wenn die Tage kürzer werden und die Dunkelheit sanft die Welt umhüllt, entfaltet sich das Lied „Näher rückt die trübe Zeit“ wie ein zarter Schleier aus Erinnerungen und Gefühlen. Es ist ein Lied, das von Abschied und Vergänglichkeit erzählt, und doch steckt in jedem Vers eine tiefe, ruhige Schönheit.

In den Zeilen spürst du das Beben der Seele, das mit dem Vergehen der warmen Tage einhergeht. Die Farbenpracht des Sommers weicht einer stillen, ehrfürchtigen Ruhe, während die Natur sich auf den Schlaf vorbereitet. Die Worte des Liedes malen Bilder von Wäldern, die in Nebel gehüllt sind, und von einer Welt, die sich langsam zur Ruhe bettet. Es ist eine Hymne an die Vergänglichkeit und ein leises Versprechen, dass nach jedem Ende ein neuer Anfang steht. Lass dich von der sanften Melodie tragen und finde Trost in der gleichmäßigen Beständigkeit der Jahreszeiten.

historischer Hintergrund

In der stimmungsvollen Welt der Herbstlieder nimmt „Näher rückt die trübe Zeit“ einen besonderen Platz ein. Der Text stammt aus der Feder von Johann Georg Daniel Arnold, einem vielseitigen deutschen Schriftsteller und Juristen, der von 1780 bis 1829 lebte. Seine Worte spiegeln die melancholische und zugleich besinnliche Stimmung des Herbstes wider, eine Zeit des Wandels und der Vergänglichkeit.

Die Melodie zu diesem Gedicht wurde von Friedrich Silcher, einem bedeutenden Komponisten des 19. Jahrhunderts, geschaffen. Silcher, geboren 1789 und gestorben 1860, ist vor allem für seine Volksliedbearbeitungen bekannt, die bis heute in der deutschen Musiktradition verankert sind. Seine Komposition verleiht Arnolds Worten eine einprägsame und gefühlvolle Klangkulisse.

Über die Jahre hinweg hat sich das Lied in verschiedenen Variationen verbreitet, sowohl in Chören als auch in solistischen Aufführungen. Es besticht durch seine schlichte Schönheit und den zeitlosen Ausdruck, der die herbstliche Melancholie einfängt. Diese Verbindung von Text und Melodie hat dem Lied einen festen Platz im Kanon der deutschen Herbstlieder gesichert, wobei es immer wieder neu interpretiert und aufgeführt wird.

Noten und Liedtext

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  1. Näher rückt die trübe Zeit
    und ich fühl’s mit Beben;
    schwinden muss die Herrlichkeit,
    sterben junges Leben;
    Waldesschmuck und Blütenpracht
    sinken bald in Grabesnacht.
    |: Scheiden das macht Leiden :|
  2. Blumen auf der grünen Au‘
    still ihr Haupt schon neigen,
    Sommerabendlüfte lau
    rauhen Stürmen weichen.
    Vögel auf der Bergeshöh‘,
    Schmetterling am tiefen See
    |: müssen von uns scheiden :|
  3. Blatt sinkt nieder in den Staub,
    wird ein Spiel im Winde;
    traurig schüttelt ab ihr Laub
    auf den Weg die Linde.
    Wolke eilt, dem Pfeile gleich
    stürmend durch der Lüfte Reich,
    |: scheucht die trauten Sterne :|
  1. »Morgen muss ich fort von hier«,
    singt der Fink mit Grämen.
    Röschen klagt: »Da liegt die Zier,
    Abschied muss ich nehmen!«;
    Ach, es macht so bittrern Schmerz,
    wenn, was innig liebt das Herz,
    |: lang uns muss verlassen :|

Text: Johann Georg Daniel Arnold (1780-1829)
Melodie: Friedrich Silcher (1789 – 1860)

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Textinterpretation

Der Herbst, jene melancholische Jahreszeit, schleicht leise heran, wie das Lied „Näher rückt die trübe Zeit“ es so eindringlich beschreibt. Die Worte malen ein Bild des Wandels, das Beben der Vergänglichkeit berührt uns tief. Die Herrlichkeit des Sommers verblasst, das junge Leben zieht sich zurück, und die Natur bereitet sich auf die Ruhe des Winters vor. Es ist ein Abschied von der Fülle, ein Innehalten, das auch in unserem Leben spürbar wird.

Im Echo dieses Herbstliedes spiegelt sich unser eigener Zyklus des Lebens wider. Wir fühlen die sanfte Traurigkeit des Abschieds, aber auch eine ruhige Akzeptanz. Wie die Bäume ihre Blätter fallen lassen, so lernen auch wir loszulassen, Raum zu schaffen für Neues. Die trübe Zeit mag näher rücken, doch sie bringt auch die Möglichkeit, in der Stille zu reflektieren und Kraft zu sammeln.

Für den Leser offenbart das Lied eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, die uns lehrt, dass jeder Abschied auch einen Neubeginn in sich trägt. In Zeiten des Wandels fühlen wir vielleicht Unsicherheit und Wehmut, doch zugleich auch einen Hauch von Hoffnung. Die sanfte Melancholie des Herbstes lädt uns ein, die Schönheit im Vergänglichen zu erkennen und in der Ruhe der Jahreszeit Trost zu finden.

Hörbeispiele

https://youtu.be/WToCu_vJYUQ

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