Ach, bittrer Winter | Text und Noten

Der Wind pfeift durch die kahlen Äste, als ob er ein uraltes, klagendes Lied singen würde. Du stehst am Rande des Waldes, wo einst das satte Grün die Vögel zum Verweilen einlud. Jetzt ist alles still, als hätte die Welt den Atem angehalten, gefangen in einem Moment frostiger Unvergänglichkeit.
„Ach, bittrer Winter, wie bist du kalt!“ – diese Worte tragen die Schwere der Jahreszeit in sich, als wären sie von der Kälte selbst geformt. Der Winter hat die zarten Blüten der Heide in einen tiefen Schlaf versetzt, ihre Farben für ein Versprechen des Frühlings bewahrend. Es ist ein Lied, das in seiner Schlichtheit die Sehnsucht nach der verlorenen Wärme ausdrückt, ein stiller Begleiter durch die langen Nächte.
Die Melodie strömt sanft durch die Luft, ein Echo aus vergangenen Zeiten, das Erinnerungen weckt. Sie erzählt von der Vergänglichkeit der Natur und dem unaufhörlichen Kreislauf des Lebens, während du dem steten Flüstern des Windes lauschst, der die Geschichten des Winters trägt.
historischer Hintergrund
„Ach, bittrer Winter“ ist ein Lied, dessen Wurzeln tief in die musikalische Tradition des 16. Jahrhunderts reichen. Bereits in alten Liederbüchern jener Epoche finden sich ähnliche Texte, die von den Herausforderungen der kalten Jahreszeit erzählen. Die Melodie, die das Lied heute begleitet, stammt aus der Liederhandschrift von Johannes Werlin aus dem Jahr 1646. Diese Verbindung von alter Texttradition und barocker Melodie verleiht dem Lied einen besonderen historischen Reiz.
Als Volkslied gehört „Ach, bittrer Winter“ zu einer Gattung, die oft mündlich überliefert wurde und sich somit in zahlreichen Varianten und regionalen Ausprägungen entwickelte. Diese Vielgestaltigkeit zeugt von der lebendigen Tradition, in der solch ein Lied weitergegeben wurde. Trotz der unterschiedlichen Fassungen bleibt der Kern des Liedes – die Klage über die Härte des Winters – stets erhalten.
In der Geschichte der Volkslieder nimmt „Ach, bittrer Winter“ eine besondere Stellung ein. Seine Verbreitung über Jahrhunderte hinweg verdeutlicht, wie tief die Themen Natur und Jahreszeiten im kollektiven Bewusstsein verankert sind. So spiegelt das Lied nicht nur die klimatischen Herausforderungen wider, sondern auch die menschliche Fähigkeit, durch Musik Trost und Gemeinschaft zu finden.
Noten und Liedtext
- Ach, bittrer Winter, wie bist du kalt!
Du hast entlaubet den grünen Wald.
Du hast verblüht die Blümlein auf der Heiden. - Die bunten Blümlein sind worden fahl,
entflogen ist uns Frau Nachtigall!
Sie ist entflogen, wird sie wieder singen?
Text: ähnlich schon in Liederbüchern aus dem 16. Jahrhundert
Melodie: aus Johannes Werlins Liederhandschrift (1646)
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Textinterpretation
Ach, der bittere Winter, er erzählt uns von der Vergänglichkeit. Die Kälte, die er bringt, entkleidet den Wald und lässt die Blumen auf der Heide verwelken. Doch in dieser klagenden Melodie liegt eine stille Schönheit. Sie erinnert uns daran, dass selbst in der Ruhe und Leere des Winters ein natürlicher Zyklus verborgen ist. Vielleicht spürst du in diesen Zeilen die Melancholie des Vergehens, die unausweichliche Veränderung, die Teil unseres Lebens ist.
Im Alltag sind wir oft von ständigen Umbrüchen umgeben, sei es durch persönliche Veränderungen oder gesellschaftliche Entwicklungen. Der Winter im Lied kann somit als Metapher für Zeiten des Verlusts und der Anpassung verstanden werden. Doch wie der Frühling nach dem Winter folgt, so birgt auch jede schwere Phase die Hoffnung auf Neubeginn. Lass dich von diesen Gedanken tragen und finde Trost in der Gewissheit, dass auch nach der dunkelsten Nacht ein neuer Morgen dämmert.
Der Winter, Symbol der Entbehrung, lehrt uns die Vergänglichkeit von Schönheit und Freude; in der Kälte der Stille wächst die Hoffnung auf Rückkehr und neues Leben.






