An dem reinsten Frühlingsmorgen | Text und Noten

Ein leises Vogelzwitschern durchbricht die Stille des Morgens, während die ersten Sonnenstrahlen behutsam den Tau auf den Grashalmen küssen. Du stehst am Rande einer blühenden Wiese, die sich in einem endlosen Meer aus Farben und Düften erstreckt. Es ist einer dieser Frühlingstage, an denen die Welt neu geboren scheint, frisch und voller Verheißungen.
In der Ferne erkennst du eine Gestalt, die sich anmutig durch die Felder bewegt. Es ist die Schäferin, deren Lied die Luft erfüllt – ein Lied, das von der Unbeschwertheit und Schönheit des Lebens erzählt. Ihre klare Stimme trägt eine Melodie, die wie ein zarter Windhauch dein Herz streift und Erinnerungen an vergangene, sorglose Frühjahre weckt. Du spürst, wie die Melancholie des Winters von dir abfällt und die Freude des Augenblicks dich umarmt.
„An dem reinsten Frühlingsmorgen“ ist mehr als ein Volkslied; es ist eine Hymne an die Jugend, die Natur und die unvergängliche Poesie des Neubeginns. Lass dich von seiner sanften Melodie davontragen und tauche ein in die zeitlose Magie des Frühlings.
historischer Hintergrund
„An dem reinsten Frühlingsmorgen“ entspringt der Feder des bedeutenden deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Ursprünglich als Gedicht „Die Spröde“ verfasst, gehört es zu Goethes berühmtem Zyklus „Neue Lieder“. Die Vertonung des Gedichts erfolgte durch Friedrich Heinrich Himmel, einen einflussreichen Komponisten der Klassik. Die Melodie Himmels verleiht dem Text eine musikalische Dimension, die das Volkslied zu einem beliebten Stück in der deutschen Liedkultur machte.
Als Volkslied nimmt „An dem reinsten Frühlingsmorgen“ einen besonderen Platz ein. Volkslieder sind kulturelle Schätze, die mündlich überliefert wurden und oft regionale Varianten aufweisen. Dieses Lied ist keine Ausnahme und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit in Chören und Musikgruppen. Die Kombination aus Goethes poetischem Genie und Himmels melodischem Talent macht es zu einem zeitlosen Klassiker, der Generationen begeistert.
Im Laufe der Jahre hat das Lied zahlreiche Interpretationen erfahren, die seine Vielseitigkeit unterstreichen. Ob in traditioneller Form oder modernen Arrangements, die Essenz des Frühlingsmorgens bleibt erhalten und lädt zum Träumen ein. Diese Verbindung von Wort und Ton zeigt, wie Literatur und Musik harmonisch verschmelzen können, um bleibende Kunstwerke zu schaffen.
Noten und Liedtext
- An dem reinsten Frühlingsmorgen
ging die Schäferin und sang,
jung und schön und ohne Sorgen,
daß es durch die Felder klang,
so la la, lala lala, la la la la la la la la la la la! - Thyrsis bot ihr für ein Mäulchen
zwei, drei Schäfchen gleich am Ort,
schalkhaft blickte sie ein Weilchen:
doch sie sang und lachte fort,
so la la, lala lala, la la la la la la la la la la la! - Und ein Andrer bot ihr Bänder,
und der Dritte bot sein Herz;
doch sie trieb mit Herz und Bändern
so wie mit den Lämmern Scherz,
so la la, lala lala, la la la la la la la la la la la!
Text: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Gedicht „Die Spröde“
Melodie: Friedrich Heinrich Himmel (1765 – 1814)
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Textinterpretation
Am reinsten Frühlingsmorgen, wenn die Sonne sanft die Erde küsst und das Leben neu erwacht, zieht die Schäferin sorglos singend durch die Felder. Ihr Lied, von einer unbeschwerten Jugendlichkeit durchzogen, scheint die Natur selbst zu begleiten, ein harmonisches Echo des Frühlings. In dieser poetischen Szenerie finden wir eine zeitlose Ruhe, die uns an die Schönheit des Augenblicks erinnert, an das unbeschwerte Sein, das wir oft nur in der Erinnerung oder in seltenen Momenten der Achtsamkeit spüren.
In unserer hektischen Welt, die von Terminen und Verpflichtungen geprägt ist, ruft uns dieses Lied zu einem Innehalten auf. Es erinnert daran, dass es kostbare Augenblicke gibt, in denen die Welt in Ordnung scheint, in denen die Seele tanzt und singt wie die Schäferin. Der Leser mag sich in diese Ruhe fallen lassen, sich dem sanften Flüstern der Natur hingeben und die Leichtigkeit des Seins spüren, die in jedem Frühlingserwachen wohnt.
So wird der Frühlingsmorgen zum Symbol für Neuanfang und Hoffnung. Er lädt uns ein, die Schönheit der Natur zu genießen und die Sorgen des Alltags für einen Moment beiseitezulegen. Vielleicht inspiriert er uns, mit der gleichen Unbekümmertheit wie die Schäferin durch unsere eigenen Felder zu wandeln, den Klang des Lebens in uns aufzunehmen und die Melodie eines neuen Morgens zu spüren. In dieser Verbindung mit der Natur liegt eine Kraft, die uns lehrt, das Wesentliche zu sehen und den Frieden im Einfachen zu finden.
In der Unbeschwertheit des Frühlings offenbart sich die Leichtigkeit des Lebens; die Freude am Moment übertrifft materielle Angebote, und das Herz erblüht im Spiel der Unschuld und der Liebe.







