Bunt sind schon die Wälder | Text und Noten

Wenn die ersten kühlen Winde durch die Straßen streifen und die Sonne goldenes Licht über die Landschaft legt, spürst du vielleicht die sanfte Umarmung des Herbstes. Erinnerst du dich an jenen Spaziergang durch den Wald, als die Bäume in leuchtenden Farben explodierten und die Luft nach reifen Äpfeln und feuchtem Laub duftete?
„Bunt sind schon die Wälder“ ist wie ein vertrauter Freund, der dich an die Hand nimmt und dich zurück in diese Momente führt. Die Melodie trägt die Ruhe eines stillen Sees und die Farben der Natur malen ein Bild in deinem Herzen. Jeder Ton, jede Zeile ist eine Einladung, die Schönheit des Vergänglichen zu umarmen und sich der Melancholie des Herbstes hinzugeben.
Während rote Blätter sanft zu Boden schweben und Nebel über die Felder kriechen, spürst du vielleicht, wie die Welt sich langsam zur Ruhe legt. Das Lied ist mehr als nur Musik; es ist ein Flüstern der Natur, das dich daran erinnert, die kleinen Wunder des Lebens wahrzunehmen.
historischer Hintergrund
„Bunt sind schon die Wälder“ ist ein stimmungsvolles Herbstlied, dessen Ursprung auf den schweizerischen Dichter Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis zurückgeht. Sein poetischer Text, der die reiche Farbpalette des Herbstes und die Vergänglichkeit der Natur einfängt, wurde 1782 verfasst. Die eindrucksvolle Melodie, die das Gedicht in ein Volkslied verwandelte, stammt vom deutschen Komponisten Johann Friedrich Reichardt, der ein bedeutender Vertreter der musikalischen Klassik war.
Als Volkslied hat „Bunt sind schon die Wälder“ einen festen Platz im kulturellen Gedächtnis der deutschsprachigen Länder gefunden. Es wird oft in Schulen gelehrt und bei herbstlichen Festen gesungen, was zur Erhaltung seiner Popularität beiträgt. Die einfache, aber ausdrucksstarke Melodie ermöglicht es, dass das Lied mühelos von Generation zu Generation weitergegeben wird. Besonders bemerkenswert ist seine Fähigkeit, durch verschiedene Interpretationen und Arrangements immer wieder neu belebt zu werden, ohne dabei seine ursprüngliche Anmut zu verlieren.
Noten und Liedtext
- Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind. - Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt. - Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.
Text: Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Melodie: Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)
Video-Tutorial & Downloads
Textinterpretation
Der Herbst, in seiner stillen Majestät, breitet seinen bunten Mantel über die Wälder und färbt die Stoppelfelder golden. Diese harmonische Symphonie der Farben steht sinnbildlich für den unausweichlichen Wandel des Lebens. Die Natur zieht sich zurück, bereitet sich vor auf die Ruhe des Winters, und wir werden erinnert, dass auch in der Vergänglichkeit Schönheit liegt. Die roten Blätter und grauen Nebel erzählen von der Poesie des Vergehens, eine Melodie, die zum Innehalten und Nachdenken einlädt.
In einer Welt, die sich oft zu schnell dreht, schenkt uns der Herbst einen Moment der Besinnung. Die Farbenpracht der Wälder und das sanfte Fallen der Blätter lassen uns die Kostbarkeit jedes Augenblicks spüren. So, wie die Natur sich in ihrem Zyklus entfaltet, dürfen auch wir unsere Veränderungen annehmen. Das Lied wird zur Einladung, die Ruhe zu finden, die in der Akzeptanz des Wandels liegt, und die Schönheit in der Vergänglichkeit zu erkennen.
Für den Leser könnte das Lied eine sanfte Erinnerung sein, sich im hektischen Alltag Zeit zu nehmen, die leisen Töne der Natur zu hören und die Schönheit des Augenblicks zu würdigen. Es ruft uns dazu auf, innezuhalten, die Farben und ihre Bedeutung zu spüren und den Herbst nicht nur als Jahreszeit, sondern als Metapher unseres eigenen Lebens zu betrachten – ein Tanz zwischen Altem und Neuem, zwischen Kommen und Gehen.
Im Spiel der Farben und Klänge des Herbstes offenbart sich die Freude des Lebens: Vergänglichkeit wird zum Fest, das uns lehrt, in jedem Abschied die Schönheit des Moments zu finden und zu feiern.







