O wie ist es kalt geworden | Text und Noten

Der Winter hat sein eisiges Zepter erhoben, und du spürst die Kälte, die sich in den Alltag schleicht, als wäre sie schon immer da gewesen. Die raue Stimme des Nordwinds flüstert an dein Ohr, während die Welt in ein melancholisches Schweigen gehüllt ist. Kein Sonnenstrahl durchbricht die graue Decke des Himmels, und die Bäume stehen wie stumme Wächter, ihre Zweige kahl und schutzlos.
In dieser frostigen Szenerie entfaltet das Volkslied „O wie ist es kalt geworden“ seine ganze Poesie. Die Worte malen dir Bilder von einer Landschaft, die in der Umarmung des Winters erstarrt ist, und lassen dich die Wehmut der Jahreszeit spüren. Es ist ein Lied, das die Kälte nicht nur als physisches Empfinden beschreibt, sondern als ein Gefühl, das tief in die Seele dringt. Erinnerungen an vergangene Wintertage werden wach, an das Knirschen des Schnees unter den Füßen und die zarten Kristalle, die sich auf Fensterscheiben bilden. Dieses Lied ist mehr als nur Melodie und Text; es ist ein Einblick in die stille, erhabene Schönheit des Winters.
historischer Hintergrund
„O wie ist es kalt geworden“ ist ein eindrucksvolles Volkslied, das von dem renommierten Dichter und Germanisten August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der zwischen 1798 und 1874 lebte, verfasst wurde. Die Melodie des Liedes, die durch ihre Schlichtheit besticht, ist eng mit der poetischen Kraft des Textes verwoben und lässt die winterliche Stimmung lebendig werden.
Seit seiner Entstehung hat sich das Lied als fester Bestandteil des deutschen Volksliedrepertoires etabliert. Es vermittelt nicht nur den Zauber der kalten Jahreszeit, sondern auch die stille Melancholie, die Hoffmann von Fallersleben meisterhaft in Worte gefasst hat. Das Lied gehört zur Kategorie der Volkslieder, die durch ihre Zugänglichkeit und emotionale Tiefe Generationen von Menschen berührt haben.
Über die Jahre hinweg erlebte das Lied verschiedene Interpretationen und Anpassungen, wobei seine Essenz stets bewahrt blieb. Besonders in der kalten Jahreszeit wird es gerne gesungen und erinnert an die Vergänglichkeit der Jahreszeiten sowie an die Schönheit, die in der Kälte liegt. Die universelle Thematik und die eingängige Melodie tragen zur anhaltenden Popularität dieses Werkes bei.
Noten und Liedtext
- O wie ist es kalt geworden
und so traurig öd und leer!
Raue Winde wehn von Norden
und die Sonne scheint nicht mehr. - Auf die Berge möcht ich fliegen,
möchte sehn ein grünes Tal,
möchte in Gras und Blumen liegen
und mich freun am Sonnenstrahl! - Möchte hören die Schalmeien
und der Herden Glockenklang,
möchte freuen mich im Freien
an der Vögel süßem Sang!
Text und Melodie: Hoffmann von Fallersleben (1798–1874)
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Textinterpretation
Im Lied „O wie ist es kalt geworden“ entfaltet sich ein Bild des Winters, das über das bloße Wetter hinausreicht. Die Kälte und die rauen Winde, die von Norden wehen, symbolisieren nicht nur die äußeren Umstände, sondern spiegeln auch eine innere Leere wider. Die Abwesenheit der Sonne steht für verlorene Wärme und Geborgenheit. Es ist, als ob die Natur selbst in einen Zustand der Melancholie versinkt, und wir sind eingeladen, diesen Moment der Stille und des Rückzugs zu spüren.
Die poetische Beschreibung des Winters kann auch auf das echte Leben übertragen werden. Jeder erlebt Zeiten, in denen das Leben kälter und rauer erscheint, in denen die Sonne des Glücks nicht zu scheinen vermag. Doch in diesen Phasen liegt auch die Möglichkeit, sich auf das Wesentliche zu besinnen und in der Stille zu wachsen. Die Natur zeigt uns, dass nach jedem Winter ein Frühling folgt, und ebenso können wir auf bessere Zeiten hoffen.
Während du diese Zeilen liest, magst du dich an eigene Momente der Kälte und des Rückzugs erinnern. Vielleicht inspiriert dich das Lied dazu, die verborgene Schönheit in der Melancholie zu entdecken und die Ruhe des Winters zu umarmen. Es erinnert uns daran, dass selbst in der kältesten Jahreszeit eine gewisse Poesie wohnt, die uns lehrt, die Stürme des Lebens mit Anmut und Geduld zu ertragen.
In der Kälte des Lebens sehnt sich die Seele nach der Wärme des Frühlings, die Hoffnung auf Erneuerung und Freude in der Natur bleibt unvergänglich – ein Ruf nach Licht in finsteren Zeiten.






