Frankenlied – Wohlauf, die Luft geht frisch und rein | Text und Noten

Wandernder Scholaren zieht über einen Hügel und blickt auf das fränkische Land mit Weinbergen, Fluss und Dorf.

Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die Baumkronen und tanzen verspielt auf den Gräsern, während ein sanfter Windhauch deine Wangen streichelt. Es ist ein Morgen, der Versprechen in sich trägt: das Versprechen von Bewegung und Freiheit. Der Klang der erwachenden Natur umhüllt dich, eine Symphonie aus Vogelgezwitscher und dem Rascheln der Blätter, und lädt dich ein, dich ihr hinzugeben.

In diesem Moment fühlst du eine Verbundenheit mit dem Land, das seit jeher deine Heimat ist, und das Lied, das in deiner Erinnerung widerhallt, ist wie eine Hymne an diese vertraute Landschaft. „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein“, tönt es in deinem Inneren, und du spürst die Aufforderung, dich aus der Ruhe zu erheben und die Welt um dich herum mit offenen Armen zu empfangen.

Es ist die Melodie des Frankenlandes, die dich mitreißt – ein kraftvoller Ruf nach draußen, nach Licht und Leben. Und während du aufstehst, fühlst du, wie jede Zeile dich tiefer in die Schönheit und den Zauber dieses Morgens eintauchen lässt.

historischer Hintergrund

Inmitten der Romantik entstand das „Frankenlied – Wohlauf, die Luft geht frisch und rein“, ein eindrucksvolles Zeugnis regionaler Verbundenheit. Der Text stammt aus der Feder von Joseph Victor von Scheffel, einem bedeutenden Dichter des 19. Jahrhunderts, der mit seinen Werken das kulturelle Erbe Deutschlands prägte. Scheffels Worte fanden ihre musikalische Entsprechung in der Melodie von Valentin Eduard Becker, einem Komponisten, der es verstand, die emotionale Tiefe des Textes in klangvolle Harmonien zu übersetzen.

Das Frankenlied zählt zu den Volksliedern und wird oft als Hymne der Region Franken angesehen. Seine eingängige Melodie und der poetische Text haben es zu einem beliebten Bestandteil regionaler Feierlichkeiten gemacht. Die Verbreitung des Liedes ist untrennbar mit der Identität Frankens verbunden und es existieren zahlreiche Varianten, die die lokale Kultur und Geschichte widerspiegeln.

Durch die Jahrhunderte hinweg hat das Lied nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Es vereint Menschen und erinnert an die Schönheit und die Traditionen einer Region, die stolz auf ihre kulturellen Wurzeln ist. Das „Frankenlied“ bleibt ein lebendiges Zeugnis der fränkischen Seele und ihrer leidenschaftlichen Hingabe zur Heimat.

Noten und Liedtext

Melodie abspielen
  1. Wohlauf, die Luft geht frisch und rein,
    wer lange sitzt, muss rosten.
    Den allerschönsten Sonnenschein
    lässt uns der Himmel kosten.
    Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
    der fahrenden Scholaren.
    Ich will zur schönen Sommerszeit
    ins Land der Franken fahren.
    Valeri, valera, valeri, valera,
    ins Land der Franken fahren!
  2. Der Wald steht grün, die Jagd geht gut,
    schwer ist das Korn geraten.
    Sie können auf des Maines Flut
    die Schiffe kaum verladen.
    Bald hebt sich auch das Herbsten an,
    die Kelter harrt des Weines.
    Der Winzer Schutzherr Kilian
    beschert uns etwas Feines.
    Valeri, valera, valeri, valera,
    beschert uns etwas Feines.
  3. Wallfahrer ziehen durch das Tal
    mit fliegenden Standarten.
    Hell grüßt ihr doppelter Choral
    den weiten Gottesgarten.
    Wie gerne wär’ ich mitgewallt,
    ihr Pfarr’ wollt mich nicht haben!
    So muss ich seitwärts durch den Wald
    als räudig Schäflein traben.
    Valeri, valera, valeri, valera,
    als räudig Schäflein traben.
  1. Zum heil’gen Veit von Staffelstein
    komm ich empor gestiegen,
    und seh’ die Lande um den Main
    zu meinen Füßen liegen.
    Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
    umrahmen Berg und Hügel
    die breite stromdurchglänzte Au.
    Ich wollt’, mir wüchsen Flügel.
    Valeri, valera, valeri, valera,
    ich wollt’, mir wüchsen Flügel.
  2. Einsiedelmann ist nicht zu Haus’,
    dieweil es Zeit zu mähen.
    Ich seh’ ihn an der Halde drauß’
    bei einer Schnitt’rin stehen.
    Verfahr’ner Schüler Stoßgebet
    heißt: Herr, gib uns zu trinken!
    Doch wer bei schöner Schnitt’rin steht,
    dem mag man lange winken.
    Valeri, valera, valeri, valera,
    dem mag man lange winken.
  3. Einsiedel, das war missgetan,
    dass du dich hubst von hinnen!
    Es liegt, ich seh’s dem Keller an,
    ein guter Jahrgang drinnen.
    Hoiho, die Pforten brech’ ich ein
    und trinke, was ich finde.
    Du heil’ger Veit von Staffelstein
    verzeih mir Durst und Sünde.
    Valeri, valera, valeri, valera,
    verzeih mir Durst und Sünde!

Text: Joseph Victor von Scheffel (1826-1886)
Melodie: Valentin Eduard Becker (1814-1890)

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Textinterpretation

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein – so beginnt ein Lied, das wie ein Morgenlied für die Seele klingt. Die Natur ruft uns aus der Bequemlichkeit, fordert uns auf, der Trägheit zu entfliehen. Der Sonnenschein, der uns umarmt, ist ein Geschenk, das zum Handeln inspiriert. In diesen ersten Zeilen spiegelt sich die Einladung wider, den Tag mit offenen Sinnen zu begrüßen und die Frische der Welt in sich aufzunehmen. So wie der Tau am Morgen glitzert, so schimmern auch die Möglichkeiten, die uns erwarten.

Franken, das Land der Burgen und Weinberge, wird in diesen Klängen lebendig. Es ist ein Ruf zur Bewegung, zur Erkundung und zur Freude an der Natur. Die Melodie trägt die Schwingungen einer Region, die sich zwischen sanften Hügeln und klaren Bächen entfaltet. Auch heute können wir jene Einladung spüren, die uns daran erinnert, dass die Schönheit der Welt oft direkt vor unserer Haustür liegt. Es ist ein Lied, das uns lehrt, im gegenwärtigen Moment zu verweilen und die Einfachheit der Natur zu schätzen.

Das Lied ist eine Hymne auf das Leben selbst, ein Aufruf, die innere Trägheit zu überwinden und die Welt mit offenen Armen zu empfangen. Im hektischen Alltag vergisst man oft die kleinen Wunder, die uns umgeben. Doch diese Zeilen bringen uns dazu, innezuhalten und das Schöne im Einfachen zu erkennen. Vielleicht fühlst du, während du diese Worte liest, den Drang, hinauszugehen und die frische Luft tief einzuatmen, die Lebendigkeit des Augenblicks zu erfassen und Teil des großen Tanzes der Natur zu werden.

Hörbeispiele

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Quellen

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